Vertreten durch
Dr. med. Robert Diehm
EEG Ableitungen bei Kindern: Ein essentielles diagnostisches Werkzeug für die Diagnostik von Epilepsien
Dr. Robert Diehm ist Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Experte für kindliche Epilespsien
Epilepsie
Epilepsie bei Kindern ist wie ein unerwartetes Gewitter im Gehirn, das plötzlich die normale Aktivität stört. Laut Berichten betrifft diese neurologische Erkrankung etwa eines von 140 Kindern und kann sich auf vielfältige Weise äußern, von kurzen Bewusstseinsaussetzern bis hin zu sichtbaren Krampfanfällen.
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind würde plötzlich wie eine Statue erstarren, mitten im Spiel oder beim Essen. Das ist die Absence-Epilepsie, eine häufige Form der Epilepsie bei Kindern. Diese kurzen „Auszeiten“ des Gehirns, auch Absencen genannt, dauern meist nur 5 bis 20 Sekunden. Während eines Anfalls starrt das Kind ins Leere, reagiert nicht auf Ansprache und setzt danach seine Tätigkeit fort, als wäre nichts geschehen. Typische Anzeichen können sein:
Plötzliches Innehalten und Starren
Leichtes Augenzwinkern oder Lidflattern
Kleine Zuckungen des Kopfes
Schmatzen oder Kauen
Diese „stillen Anfälle“ können bis zu 100 Mal am Tag auftreten und werden oft als Tagträumerei oder Unaufmerksamkeit missverstanden. Die Absence-Epilepsie beginnt meist im Alter von 5 bis 8 Jahren und betrifft häufiger Mädchen als Jungen.
Genetische Ursachen von Epilepsien
Epilepsie kann manchmal wie ein Familienerbstück sein, das von Generation zu Generation weitergegeben wird – aber nicht immer. Genetische Faktoren spielen bei vielen Epilepsien eine Rolle, wobei die Krankheit selbst selten direkt vererbt wird. Stattdessen kann eine genetische Veranlagung die Wahrscheinlichkeit erhöhen, Epilepsie zu entwickeln. Hier einige wichtige Punkte:
Genetische Epilepsien können durch Veränderungen in einem einzelnen Gen oder durch das Zusammenspiel mehrerer Gene entstehen.
Manche genetische Veränderungen treten spontan auf und werden nicht von den Eltern vererbt (sogenannte „de novo“ Mutationen).
Je früher die Epilepsie auftritt und je schwerer der Verlauf, desto wahrscheinlicher ist eine genetische Ursache.
Das Risiko für Kinder von Eltern mit Epilepsie, selbst zu erkranken, liegt bei etwa 3-5%, bei zwei betroffenen Elternteilen steigt es auf etwa 20%.
Die Rolando-Epilepsie ist wie ein nächtlicher Störenfried im Gehirn von Kindern, der hauptsächlich im Schlaf auftaucht. Sie ist die häufigste Form der Epilepsie bei Kindern zwischen 3 und 13 Jahren. Typische Anzeichen sind:
Kribbeln oder Taubheit im Gesicht, besonders um den Mund
Zuckungen in einer Gesichtshälfte
Schwierigkeiten beim Sprechen und vermehrter Speichelfluss
Anfälle meist nachts oder beim Aufwachen
Obwohl die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind, spielen genetische Faktoren eine Rolle.
Therapiemöglichkeiten
Bei der Behandlung von Epilepsie bei Kindern ist es, als würde man einen unruhigen See beruhigen wollen. Ärzte beginnen oft mit einem einzelnen Medikament, einer sogenannten Monotherapie. Beliebte Anfallssuppressiva sind Lamotrigin und Levetiracetam, die wie Wellenbrecher wirken, um die stürmische Hirnaktivität zu glätten. Wenn ein Medikament nicht ausreicht, können Ärzte eine Kombination versuchen oder zu alternativen Methoden greifen:
Vagusnerv-Stimulation: Ein kleines Gerät, das wie ein Dirigent die Nervenimpulse steuert
Ketogene Diät: Eine spezielle Ernährung, die das Gehirn mit „alternativem Treibstoff“ versorgt
Epilepsiechirurgie: In seltenen Fällen kann der „Sturm“ im Gehirn chirurgisch beruhigt werden
Bei der Absence-Epilepsie kommen oft Ethosuximid oder Valproinsäure zum Einsatz, die wie sanfte Regenschirme die kurzen „Auszeiten“ des Gehirns abschirmen. Die Behandlung wird individuell angepasst, um die beste Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit zu finden
Wenn bei Ihrem Kind eine Epilepsie vermutet oder diagnostiziert wurde, ist eine Beratung durch spezialisierte Expert:innen sinnvoll. Bei Frag mal nach! können Sie sich mit erfahrenen Kinder- und Jugendfachärzt:innen austauschen, um:
Den EEG befund besprechen
offene Fragen zur Diagnostik und Prognose zu klären
Informationen bzw. Zweitmeinungen zur Therapie einholen
Beratungsthemen
Kindliche Epilepsie wird durch eine Kombination aus Anamnese (Beschreibung der Anfälle), klinischer Untersuchung und apparativen Verfahren diagnostiziert. Besonders wichtig sind ein EEG (Elektroenzephalogramm) zur Messung der Hirnaktivität und sowie eine MRT-Untersuchung, um mögliche strukturelle Ursachen im Gehirn zu erkennen.
Die Prognose kindlicher Epilepsien ist insgesamt häufig günstig, insbesondere bei idiopathischen Epilepsieformen, bei denen viele Kinder unter Therapie anfallsfrei werden oder im Verlauf spontan remittieren. Der Verlauf hängt jedoch stark von der zugrunde liegenden Ursache ab, sodass strukturelle oder genetische Epilepsien häufiger mit therapieresistenten Verläufen und neurokognitiven Beeinträchtigungen einhergehen können.
Die Therapie kindlicher Epilepsien umfasst primär antikonvulsive Medikamente, die individuell nach Anfallsform und Epilepsiesyndrom ausgewählt werden. Bei therapieresistenten Verläufen kommen ergänzend Optionen wie ketogene Diät, epilepsiechirurgische Verfahren oder Neurostimulation in spezialisierten Zentren infrage.